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Kein Aufbruch, nirgends! Enttäuschung nach Papst-Besuch

Ganz ehrlich, Grund zur Hoffnung, dass die Katholische Kirche und ihre alten Männer an der Spitze endlich die Zeichen der Zeit erkannt hätten und der Papst bei seinem Deutschland-Besuch deutliche Zeichen für Reformen setzen würde, hatte ich nicht. Die Aufregung vor dem Besuch um die Rede im Bundestag war genauso überflüssig wie der Medienhype um jeden Schritt, den Papst Benedikt auf deutschem Boden tat. Dieser alte Mann hat uns nicht mehr viel zu sagen.

Reformen der Katholischen Kirche sind in erster Linie Sache ihrer Mitglieder. Allerdings gibt es auch ein gesellschaftliches bzw. staatliches Interesse an weitreichenden Reformen. Wie von allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften müssen wir auch von der Katholischen Kirche einfordern, dass sie die Grundrechte und Werte unseres Grundgesetzes achtet und lebt. Gleichstellung von Männern und Frauen und das Antidiskriminierungsgebot gegenüber Schwulen, Lesben, Transgender u.a. gehören unverzichtbar dazu. Und ArbeitnehmerInnen bei der Kath. Kirche müssen dieselben Rechte haben wie alle anderen. Darüberhinaus besteht zumindest Erklärungsbedarf, weshalb ein demokratischer Staat im Sozial-, Kultur-, Gesundheits- und Bildungsbereich, also in Kernbereichen unserer Gesellschaft, finanziell und organisatorisch eng mit einer autokratischen, undemokratischen, hierarchisch geprägten und intransparenten Institution zusammenarbeitet. Würden wir hier das Prinzip von Good Governance einfordern, wäre diese Zusammenarbeit wohl schnell zu Ende.

Als katholische Christin erwarte ich von meiner Kirche, dass sie endlich ankommt in der Lebenswirklichkeit ihrer Mitglieder: Abschied von der Männergesellschaft, Priestertum der Frau, Abschaffung des Zölibats, demokratische Strukturen, Transparenz, eine menschenfreundliche Sexualmoral, klare Worte statt verquastes Theologendeutsch, echte Spiritualität statt Festhalten an erstarrter Tradition, Heimat sein auch für aufgeklärte, intelligente, kritische junge Menschen. Meine 9jährige Tochter sagte nach dem Papst-Besuch: „Wenn sich das mit den Frauen noch nicht geändert hat, wenn ich groß bin, dann will ich nicht mehr katholisch sein.“ Recht hat sie.

geschrieben am 27. September 2011, , , , ,

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